Landru, Henri Désiré   



                                                    (Frankreich)  

 











 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Name

Landru

 

 

 

 

 

 

Vorname

JHenri Désiré

 

 

 

 

 

 

Alias

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tätertyp

Serienmörder



 

 

                                1869 – 1922



 

 











 


 


 

 

 

 
 


 

 

 

 

 

 

Geboren

12. April 1869

Geburtsort

Paris

Opfer

vermutlich 10 Menschen, aber mit Sicherheit mehr

Ermordet

siehe Opfer

Verletzt

 

Tatort

größtenteils in Vernouillet

Bundesstaat/-land

Frankreich /

Tatzeitraum

1914 bis 1918

Urteil

Todesstrafe (Guillotine)

Vollstreckung

25. Februar 1922 in Versailles durch den Nachrichter Anatole Deibler

Versailles / Frankreich

kurz nach 6 Uhr morgens

 

Straftat in Kurzform:


Henri Désiré Landru (* 12. April 1869 in Paris; † 25. Februar 1922 in Versailles) war ein französischer Serienmörder, der mutmaßlich elf Menschen, davon zehn Frauen, während des Ersten Weltkriegs getötet hat.

Landru wurde am 12. April 1869 in Paris als Sohn eines Hüttenarbeiters und einer Schneiderin geboren. Er besuchte eine katholische Schule, wo er unauffällig war und Chorknabe und Messdiener wurde. Er soll lediglich durch Lerneifer aufgefallen sein.

Nach Abschluss der Schule bildete er sich in technischen Fortbildungskursen (insbesondere im Zeichnen) soweit fort, dass er eine Anstellung in einem Architekturbüro erlangen konnte. Im Alter von 20 Jahren ging er zum Militär, wo er es zum Unteroffizier brachte. In der Zwischenzeit heiratete er eine Cousine, die bereits ein außereheliches Kind von ihm hatte. Der Ehe entsprangen noch drei weitere Kinder.

Nach der Militärzeit ging er keiner geregelten Arbeit nach, hielt sich mit kleineren Betrügereien über Wasser. Offiziell war er Möbelhändler und Garagenbesitzer. Es kam im Laufe der Zeit zu sieben Verurteilungen wegen Betrugs vor Gerichten in Lille und Paris. 1908 kam es zu einem Fall von Heiratsschwindel. Nach der Entlassung aus einem Gefängnis am 18. Oktober 1912 beging er nach der Verbüßung einer dreijährigen Haftstrafe einen weiteren Betrug. Als wegen dieses Betruges eine weitere Verurteilung abzusehen war, suchte er sich am 23. April 1914 unter falschem Namen eine neue Unterkunft in Paris. Im August wurde er in Abwesenheit zur Deportation verurteilt. Er benutzte in der Folge unterschiedliche Namen, u. a. Diard, Petit, Frémyet, Dupont, Guillet, Barzieux und Tarempion und wechselte den Wohn- und Aufenthaltsort. In Paris verlegte er sich endgültig auf Heiratsschwindel.

Er schaltete Heiratsanzeigen oder beantwortete Heiratsanzeigen und lernte so Frauen kennen, mit Vorliebe alleinstehende Frauen mittleren Alters. Zwar war Landru keine beeindruckende Erscheinung, konnte aber durch kleine Geschenke und ein gewisses Talent im Schreiben von Liebesbriefen eine enorme Wirkung auf diese Frauen erzielen. Insgesamt trat er auf diese Weise mit 283 Frauen in Kontakt.

Persönlich war Landru bedürfnislos, rauchte nicht und trank nicht. Er neigte zur Pedanterie, legte Akten mit den Liebesbriefen an die Frauen an, mit denen er in Kontakt trat. Ferner führte er Notizbücher, in denen er alle wichtigeren Ereignisse – unter anderem Daten seiner Morde – notierte.

Trotzdem blieb er mit seiner Familie stets in Kontakt und kam – so gut es als Untergetauchter ging – seinen Pflichten als Ehemann und Familienvater nach.

Bei seinen Opfern handelte es sich vor allem um Frauen, die er über Heiratsanzeigen kennengelernt hatte. Mit diesen traf er sich und gab vor, ein gut situierter Herr zu sein – ein Beamter, kleiner Fabrikbesitzer etc. Nach einiger Zeit lud er sie zum Aufenthalt auf dem Lande in ein Haus ein, welches er dort gemietet hatte. Zunächst fuhr er mit seinen Opfern nach Vernouillet, später zu einem Haus in Gambais. Er löste jeweils, wie sich aus seinem Notizbuch ergab, eine einfache Fahrt für sein Opfer und Hin- und Rückfahrt für sich. Die Frauen wurden nicht wiedergesehen. Dann löste er ihre Wohnungen auf und veräußerte ihre Möbel, löste ihre Bankkonten auf und verkaufte Versicherungspolicen seiner Opfer. Hierfür fälschte er Vollmachten und legte sich Tarnidentitäten und -adressen zu. Wertgegenstände und persönliche Gegenstände, zum Teil auch die Personalpapiere, lagerte er ein. Mit seinem ersten Opfer aus dieser Serie verschwand auch ihr Sohn.

Um seine Taten zu vertuschen, verschickte er Postkarten, die angeblich von seinen Opfern stammen sollten.

Infolge der Kriegswirren blieben die Taten von Landru lange unentdeckt, zum Teil hatte er hierbei auch Glück. Die französische Polizei hatte zwar eine eigene Abteilung für vermisste Personen, aber diese war überlastet. Erst wiederholte Nachfragen von Angehörigen seiner Opfer und das zufällige Wiedererkennen einer Schwester eines seiner Opfer brachten die Ermittlungen auf den richtigen Weg. Hiernach ermittelten die Polizeibehörden zwar noch gegen einige seiner Pseudonyme, aber ein Inspektor fand unter einem Stapel Papiere einen Zettel, auf dem „Landru“ stand. Er zog daraufhin die Kriminalakten heran, in denen sich eine Beschreibung Landrus fand. Hierdurch wurde seine Identität enttarnt.

Durchsuchungen in Gambais und Vernouillet erbrachten zunächst keine besonderen Ergebnisse – in Gambais wurden nur die Kadaver der Hunde eines der Opfer gefunden, in Vernouillet immerhin Damenstrümpfe, Korsettteile und Reste von Damenschuhen. Erst eine erneute Durchsuchung ergab verkohlte Knochenreste, namentlich Teile dreier menschlicher Schädel, fünf Füße und drei Hände. In einem Lagerraum in Clichy wurden schließlich die eingelagerten persönlichen Gegenstände der Opfer gefunden.

Zwischen dem 7. und dem 30. November 1921 fand die Hauptverhandlung gegen Landru in Versailles statt. Unter anderem wurden 150 Zeugen angehört.

Das Problem der Anklage war, dass im Wesentlichen nur Indizienbeweise gegen Landru vorlagen. So konnten sämtliche im Notizbuch Landrus und seinen Liebesbriefakten aufgeführten Frauen ermittelt werden, nur die zehn Frauen, wegen deren Verschwinden er angeklagt wurde, fehlten. Gesehen worden waren sie jeweils in den Räumen Gambais und Vernouillet. Es konnte nicht ermittelt werden, wie er seine Opfer tötete. Die Notizbücher waren teilweise verschlüsselt, so wurde ein aus Argentinien stammendes Opfer als "Brasil" bezeichnet. In seinen Akten wurden ebenfalls zum Teil eigene Abkürzungen gebraucht, deren Sinn durch Vermutungen erschlossen werden musste.

Die Verteidigung Landrus bestand im Wesentlichen darin, dass Landru die Taten bestritt, und er behauptete, dass er nicht wisse, wo die zehn Frauen geblieben seien. Er sei ein Kavalier und würde sich nur deshalb nicht zu den Damen äußern. Soweit ihm der Verkauf der Möbel der Opfer, die in Clichy gefundenen Gegenstände, und das Auflösen der Bankkonten entgegengehalten wurde, behauptete er, dass er von den Frauen hierzu beauftragt worden sei. Er sei Möbelhändler. Auch verfängliche Anmerkungen in seinem Notizbuch versuchte er hierdurch zu erklären. Die gefundenen verkohlten Knochen seien Tierknochen.

Sein Verteidiger Vincent de Moro-Giafferi stützte sich darauf, dass die Kriminalpolizei die zehn Frauen lediglich nicht gefunden habe, dies sei nicht identisch mit einer Ermordung. Die spätere Durchsuchung sei erst erfolgt, als die Häuser Landrus bereits von Neugierigen besichtigt worden seien, hierbei gefundene Beweismittel (die Knochenreste) seien daher nicht brauchbar.

Die Geschworenen gingen trotzdem von Mord aus. Das Gericht verurteilte Landru zum Tode. Landru beteuerte auch danach seine Unschuld. Rechtsmittel Landrus gegen das Urteil wurden vom Kassationsgericht in Paris verworfen.

Am 25. Februar 1922 kurz nach sechs Uhr morgens wurde Landru durch den Scharfrichter Anatole Deibler auf der Guillotine hingerichtet.