Denke, Karl    




                                                                                          (Deutschland)    











Karl Denke nach seinem

Selbstmord im Holzsarg.




Denkes ehemaliges Haus, was er aber verkaufen musste.

Hier hat er bis zu seinem Tod nur noch 1 Zimmer bewohnt (2. Eingang Erdgeschoß)


 



                                                                       

 

 

Name

Denke

 

 

 

 

 


Vorname

Karl

 


 

 

 

 

Alias

"Pappa Denke"

 

 


 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

Tätertyp

Serienmörder

 

 

 

 

                                 1860 - 1924

                                

 


 










 

  

 

 

  

 

 


           

Das Werkzeug des Serienmörders, mit welchem er seine Opfer zerteilte

Ein Teil des bei Denke gefundenen Menschenfleisches. Unter anderem wurden noch jede Menge Knochen und Zähne gefunden, sowie Gürtel und Bänder aus Menschenhaut.

Das Tagebuch - hier hatte Denke seine Opfer und deren Schlachtgewicht notiert.

Das Bein vom Opfer Emma Sander. In der Mitte hatte Denke die Haut entfernt um daraus einen Gürtel zu fertigen.

 

Geboren

11. Februar 1860

Geburtsort

Oberkunzendorf bei Münsterberg in Schlesien

Opfer

Wanderburschen und Bettler

Ermordet

31 Menschen

Verletzt

Vincens Oliver

Tatort

Teichstraße 10 in Münsterberg  (Denkes Wohnung)

Bundesstaat/-land

 

Tatzeitraum

21. Februar 1903 bis 17. November 1924

Urteil

 

Vollstreckung

 

Selbstmord

22. Dezember 1924 in Münsterberg  (in einer Gefängniszelle im Rathaus)

 

Straftat in Kurzform:


Karl Denke wurde am 11.02.1860 in Kunzendorf (Schlesien) geboren. Seine Eltern hatten mehrere Kinder und betrieben eine Gärtnerei. Bereits in seiner Kindheit zeigte Karl Denke eine merkwürdige zurückgezogene Verhaltensweise gegenüber anderen Menschen. Auch weigerte er sich bis zum 7ten Lebensjahr zu sprechen (Autist). Im Jahre 1880 zieht Denke in die Stadt Münsterberg, in die Teichstraße 10. Es ist ein Doppelhaus in dem noch die Familie Voigt (eine Lehrerfamilie) und die Familie Gabriel (Kutscherfamilie)wohnt. Denke bezieht in dem mit der Stirnseite zur Straße stehenden Haus ein Zimmer im Erdgeschoß des 2. Eingangs (hinterer Teil). Mit den Mitmietern des Hauses hat der Junggeselle keinen Kontakt. Er bleibt unnahbar, auch seiner restlichen Familie gegenüber.

Die Morde begannen am 21.2.1903 (Ida Launer), der zweite Mord am 21.12.1909 (Emma Sander). Für den Mord an Emma Sander wurde der Schlachter Eduard Trautmann (er hatte um Emma Sander geworben, wurde aber nicht erhört) im Februar, trotz Unschuldsbeschwörung, 1911 in Glatz zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt (später begnadigt und entschädigt)

Karl Denke hat alle seine begangenen Morde in eine Kladde eingetragen, wodurch man diese nachvollziehen kann. Zusätzlich enthalten seine Mordaufzeichnungen, außer den Angaben zur jeweiligen Person und zum Tötungstag, noch die Angaben zum Schlachtgewicht seiner Opfer. Zusammengerechnet ergab das: 25 Zentner und 79 Pfund Menschenfleisch.

Weitere Morde (gemäß Kladde):

02. Februar 1914 - Heinrich Bruchmann (aus Kammerswaldau, Tischler)

08. Januar 1919 - Eisenbahner Niebel (aus Reumen)

Die Eintragungen werden bis zur Nummer 31 fortgeführt (allerdings nur das Datum). Es ist der 17. November 1924 und vermutlich ist der Breslauer Fellhändler Rochus Pawlick das Opfer.

Denke hat das Fleisch eingepökelt aber auch frisch gebraten verzehrt. Ob er Menschenfleisch auch verkauft hat, ist umstritten. Da er Fleisch verkauft hat, aber es immer als Ziegenfleisch deklariert hat, bleibt diese Frage ungeklärt.

In seiner Wohnung hat er auf, die zur damaligen Zeit reichlich herumziehenden, Wanderburschen und Bettler gewartet. Zwischenzeitlich ging er auch nach Münsterberg in die "Herberge zur Heimat", um nach arbeitswilligen Fremden zu fragen.

Am 21.12.1924 war der arbeitslose Steinsetzer Vinzens Oliver in Münsterberg auf Betteltour. Schließlich klopfte er auch an Denkes Tür, welcher ihn eintreten ließ und ihn fragte ob er ihm für 20 Pfg. einen kurzen Brief schreibt. Als V. Oliver bejahte, bat Denke ihn, am Tisch Platz zu nehmen und Denke diktierte den ersten Satz des Briefes mit "Adolf du dicker Wanst". Darüber mußte Oliver lachen und er beugte sich dabei zur Seite, als ihn auch schon ein Schlag von Denke mit der Spitzhacke traf. Durch die Seitwärtsbewegung wurde er nicht voll getroffen und es war ihm möglich aufzuspringen und aus dem Zimmer zu flüchten.

Schreiend und mit einer klaffenden Wunde am Kopf rannte Vincens Oliver auf den Hof. Ein Nachbar, der zu Hilfe eilte, glaubte dem Obdachlosen zunächst nicht, dass er von dem alten Mann mit einer Spitzhacke attackiert worden sei. Denke galt im Ort als etwas „schrullig“; aber auch als Wohltäter, der immer eine Mahlzeit für Obdachlose und Wandergesellen hatte. Von 1893–1895 war er Bälgetreter und Kreuzträger der evangelischen Gemeinde, zahlte jedoch ab 1906 keine Kirchensteuer mehr und betrachtete sich als aus der Kirche ausgetreten.

Aufgrund der Anschuldigung musste die Polizei eine routinemäßige Untersuchung der Wohnung von Denke vornehmen. Die Behörden waren schockiert: Bei dem sehr zurückgezogen lebenden Bürger ihrer Stadt fand man bei der Durchsuchung die Überreste von mehreren Menschen, darunter über 420 Zähne, 480 Knochen und aus menschlichem Fleisch zubereitete Mahlzeiten. Einige waren zum direkten Verzehr bestimmt, einige waren zur Konservierung in Pökelsalz eingelegt. Außerdem fand man drei aus Menschenhaut gefertigte Hosenträger und Schnürsenkel.

Noch in der Nacht seiner Verhaftung erhängte sich Denke in seiner Zelle. Deshalb konnte er nie verhört werden, und wichtige Details seiner Taten und über seine Opfer konnten nicht geklärt werden.

Beim Abschluss der Ermittlungen kam zutage, dass Denke mindestens 31 Menschen geschlachtet, verarbeitet, gegessen und Teile ihres Fleisches auf dem Breslauer Wochenmarkt verkauft hatte, was allerdings vom Sprecher des Marktes bestritten wurde. Mit der Genauigkeit eines Buchhalters hatte Denke die Namen sowie Details über das „Schlachtgewicht“ etc. der 31 Opfer, davon vier Frauen (meist Landstreicher) sorgfältig aufgeschrieben. Die Eintragungen beginnen am 21. Februar 1903 (Opfer Ida Launer) und enden am 17. November 1924.
Das Jüngste seiner Opfer war gerade mal 16 Jahre, das Älteste 76 Jahre alt.

Bemerkenswert ist fernerhin, dass im selben Jahr zuvor schon der Serienmörder Fritz Haarmann in Hannover festgenommen worden war und auch die Taten von Carl Großmann aus Berlin zu jener Zeit aufgedeckt wurden. Dabei kamen erstaunlich viele Parallelen zu Tage: Alle drei Serienmörder waren Kannibalen und hatten das Fleisch ihrer Opfer vermutlich auch verkauft. In dieser Zeit waren allerdings noch viel mehr Serienmörder unterwegs als die genannten.

Diese Häufung von Serienmördern zeichnet auch ein Bild vom Deutschland der 1920er Jahre. Der erste Weltkrieg und damit verbundene Hungersnöte sowie die Industrialisierung Deutschlands und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Umwälzungen könnten bei der Herausbildung von Serienmördern eine Rolle gespielt haben. Ebenso gab es eine große Zahl von entwurzelten Personen, die auf der Suche nach Arbeit unterwegs waren und deren Verschwinden selten auffiel, wenn sie einem Mörder zum Opfer fielen.




        Erichs Buchtipp:   

Dieser Kriminalfall wurde in hervorragender Art und Weise vom Autor und Historiker Armin Rütters im Buch "Serienmörder II", das im Verlag Kirchschlager erschienen ist, beschrieben. Eine detailliertere, sachlichere und vollkommenere Wiedergabe dieses Falles finden Sie nirgendwo anders.


          

Historische Serienmörder II

Menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter
bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Mit Beiträgen von
Michael Horn, Michael Kirchschlager, Petra Klages,
Wolfgang Krüger, Armin Rütters und Richard Wosnik

Preis: 22.00 €
(inkl. 7 % MwSt. und Versandkosten)

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